Bannerwache

Vom Umgang mit Brüdern und Fremden

Die Liebe ist eine goldene Krone

Wir lesen, daß Salomo den Tempel und alles was darinnen war, mit Gold überdecken und goldene Schilder herstellen ließ. Das Gold schmückt, die Schilde schützen.
Gebricht es unserem göttlichen Orden an dem Golde der Liebe, so sind wir ungeschützt und ohne Schmuck, denn die Liebe ist eine Grundfeste frommen Lebens. Sie stärkt und tröstet die Mühseligen und ist Frucht und Lohn für die Getreuen. Ohne die Liebe sind weder der Orden noch seine Taten fromm; beide blieben lediglich ein Scheinbild der Frömmigkeit.
Die Liebe ist ein Schatz, mit dem der Arme reich ist, wenn er ihn besitzt, und der Reiche arm ist, wenn er ihn nicht besitzt. 
Es genügt nicht allein, daß die Brüder sich gegenseitig keinen Kummer bereiten, sie sollen vielmehr mit Liebe und Dienen und mit Demut umeinander werben, wie denn das Evangelium spricht:
"Wer sich hier erniedrigt, wird dort erhöhet werden."
 

Bruderliebe und Brüderlichkeit

Alle Brüder sollen sich gegeneinander verhalten, daß die milde Einträchtigkeit, die der Name Bruder besagt, sich nicht ins Gegenteil verkehre. Vielmehr sollen sie in brüderlicher Liebe so eimütig und gütig im Geiste brüderlicher Verträglichkeit miteinander leben, daß man mit Fug von ihnen sagen kann:
"Wie schön und herrlich ist es, wenn die Brüder einmütig beieinander wohnen."
Jeder trage nach Kräften des anderen Bürde und ehre ihn, wie es der Apostel heißt.
Aus keines Bruders Munde komme üble Rede wie verhohlene Herabsetzung, Verleumdung, Prahlerei mit früheren Leistungen, Lüge, Schelten und Fluchen, Zank, leere Worte oder Geschwätz. Keiner füge dem anderen Ungemach zu mit Züchtigung oder Drohung.
Hat sich ein Bruder oder Werken an einem anderen vergangen, so säume er nicht, sich schnell zu versöhnen und eile, dem anderen die Herzenswunde durch Abbitten zu heilen, wo immer er ihn mit Worten oder Werken verletzt hat.
Der Apostel ermahnt uns, daß wir die Sonne nicht untergehen lassen über unserem Zorn, das heißt, daß er nicht übermächtig bleibe von einem Tag zum anderen.
Vor allem gebietet uns unser Herr Jesus Christus im Evangelium:
"Wenn Du Deine Gabe auf den Altar opferst und wirst allda eingedenk, daß Dein Bruder etwas wider Dich habe, so laß allda Deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne Dich mit Deinem Bruder, und alsdann komm und opfere Deine Gabe."
 

Taktvolles Verhalten der Amtsbrüder

Alle Brüder, die Ämter haben, seien sie nun klein oder groß, sollen sich des befleißigen, den übrigen Brüdern, was ihnen zusteht, zu geben oder zu versagen mit Takt und Güte, damit durch ihre Schuld jene nicht betrübet werden.
Was sie nicht wollen, was man ihnen tut, das sollen sie nicht den anderen tuen, und was sie wollen, daß man ihnen tue, das sollen sie den anderen tuen und sich mehr für Diener denn für Herren der Brüder halten.


Die Brüder ein Vorbild in der Welt

Es genügt auch nicht, daß sich die Brüder sich nur untereinander gütig verhalten, sondern es geziemt sich für sämtliche Brüder, allen Leuten, mit denen sie zu tun haben, ein Vorbild guten Lebenswandels sowie der Rechtschaffenheit und der Zucht zu geben. 
Fahren Brüder über Land oder gegen Feinde oder sonstigen Aufträgen, so sollen sie bestrebt sein, den Leuten draußen durch das gute Vorbild in Werken und Worten zu beweisen, daß Gott mit und in ihnen sei, denn das Zeichen der Güte und des Ordens tragen sie sichtbar an dem schwarzen Kreuze.
Wo sie des Nachts unterwegs sind, sollen sie zwischen dem abendlichen und morgendlichen Horagesang von nützlichen und ehrsamen Dingen reden; in Herbergen sollen sie nach dem abendlichen Horagesang schweigen, wie zuvor geschrieben ist. Wirte und Stätten, die schlechten Rufes sind, sollen sie meiden, wenn sie darüber Bescheid wissen. Wo sie übernachten, soll in ihrer Schlafstätte nach Möglichkeit die ganze Nacht Licht brennen, damit sie nicht an ihrem guten Ruf oder sonstigen Dingen Schaden nehmen. 
Zu den Zeiten, in denen sie viel unterwegs sind, dürfen sie den Gottesdiensten und den Gebeten derer, zu denen sie kommen, fern bleiben. Kehren sie zurück, so dürfen sie wegen des Waffendienstes und der Reise Mühsal morgen von Mette und Horen mit Erlaubnis fern bleiben. Das Gleiche wie für die Wegmüden gilt für die, die mit nützlichen Angelegenheiten für den Orden beschäftigt sind.


Umgang mit Aussenstehenden

Da jeglicher geistiger Orden mit Rechten und Freiheiten des Stuhls von Rom von weltlicher Gerichtsbarkeit ausgenommen ist, so ist es auch für diesen heiligen Orden der Brüder des Spital Sankt Mariens des Deutschen Hauses zu Jerusalem mit gutem Recht festzustellen, daß er in den besonderen Schirm des päpstlichen Stuhles aufgenommen ist.
Ein solcher Schirm der Kirche will nun aber in keiner Weise dem Recht zuwider sein.
Deswegen verfügen wir, daß die Brüder in allen Rechtsangelegenheiten, die sie mit irgendwem haben, zwar ihre Freiheiten und Vorrechte voll und ganz in Anspruch nehmen, nicht aber ihre Ankläger oder Beschuldiger böswillig oder unbillig oder mit Vorbedacht verdrießen. 
Sind sie beklagt oder beschuldigt, so dürfen sie gegen ihre Beschuldiger nicht parteiisch und eigennützig vorgehen, in der Absicht, sie zu überlisten.


Schonung der Arbeitsleute

Wir fordern euch alle auf, Gebietiger, Vögte, Verwalter und Amtsbrüder, daß keiner von Euch die Leute zwinge zu ungewohnter Arbeit, sondern daß ihr sie schont, wo immer ihr könnt. Man soll auch mit den Leuten gnädig sein im Gericht und sie nicht mühen mit übermäßiger Arbeit.
Hat ein Bruder eine Klage gegen seinen Knecht, so soll ihm alsbald derjenige die Sache abnehmen, der Meister über die Knechte ist, auf das sich die anderen Knechte fürchten und dennoch nichts Böses in der Aufwallung des Zorns geschehe.


Vom Schelten

Kein Bruder soll einen Christenmenschen einen Verräter oder einen Abtrünningen vom Glauben oder einen Hurensohn heißen, oder sagen, daß ihm der Atem stinke oder ihn ähnlich schelten.


Aufträge von Fremden

Beider sollen eine Person oder ein Gut nur dann in ihr Geleite nehmen, wenn es vorher ausgemacht ist, daß sie für Schaden, der unterwegs geschehe, nicht haften. Brüder sollen Bestellungen und Aufträge nach Möglichkeitnur schriftlcih annehmen.


Verhalten in weltlichen Angelegenheiten

Brautläufe, Ritterspiele, andere Geselligkeiten und Schaustellungen, deren man aus weltlicher Hochmutoder zur Freude des Teufels pflegt, sollen die Brüder nach Möglichkeit meiden, wiewohl sie solche gelegentlich aufsuchen dürfen, wenn das Ordensinteressees erfordert oder um Seelen zu gewinnen. In verdächtigen Stätten und Zeiten sollen sie Unterhaltungen mit frauen meiden und vor allem das Küssen von Mädchen und frauen, denn es ist ein offenes Zeichen von Unkeuschheit und weltlicher Minne. Dies Verbot ist so streng, daß sie auch ihre eigene Mutter und Schwester nicht küssen sollen.
Mit Ausgestossenen und im öffentlichen Bann Erklärten soll kein Bruder Gemeinschaft habenan unerlaubten Dingen. Auch soll kein Bruder Gevatter werden, falls nicht ein besonderer Trauerfall dazu nötigt. 

Die Bannerwache ist eine private Interessengemeinschaft und gehört nicht dem offiziellen Deutschen Orden mit Sitz in Wien an. Wir sind aber bestrebt, die Geschichte des Deutschen Ordens im Mittelalter möglichst orginalgetreu nachzustellen -omnia sicut lusit (alles nur gespielt)- und einer breiten Öffentlichkeit vornehmlich auf mittelalterlichen Veranstaltungen näher zu bringen.