Bannerwache

Die Fahnen der Bannerwache

Auf dem Schlachtfeld des Mittelalters waren die Fahnen das wichtigste Erkennungszeichen. Ordensangehörige waren durch ihre einheitliche Kleidung eindeutig zu erkennen, nicht aber Dienstpflichtige oder Söldner, die meist selbst für ihre Ausrüstung sorgen mussten. Deswegen zeigten Fahnen auch die Zugehörigkeit der einzelnen Kämpfer zu den unterschiedlichen Kampfbannern an. 

Daneben hatten die Bannerfahnen eine praktische Funktion als Signalzeichen. Bestimmte Schwenkungen, das Heben oder Senken des Banners hatten für die Truppe Befehlsübermittlungsfunktion. Das Senken der eigenen Fahne bedeutete das Eingeständnis der Niederlage und kam für die Mitstreiter einer Aufforderung zur Flucht gleich. 
Bestimmten Bannern kamen Vorrechte gegenüber anderen zu. Über allen standen die Marien- und die St.-Georgsfahne.
Dann folgten das Banner des Hochmeisters und das Banner des Ordensmarschalls, das auch als allgemeines Ordensbanner galt. Diese Banner hatten eine übergeordnete Funktion, so dass sich unter ihnen weitere Banner sammeln konnten. Die Banner der Komtureien von Ragnit und Isternburg sowie das Wittingsbanner besaßen das Recht des Vorstreits, also die Ehre, als erste den Feind angreifen zu dürfen.

Unsere Bannerwache führt neben den Hauptbannern des Ordens auch Banner des Reichs und passende Banner zur jeweiligen Veranstaltung. Dazu gehört das Banner des Kölner Erzbischofs Dietrichs von Moers zur Soester Fehde.    

Das Hochmeisterbanner (vorne) und das Marschallbanner (hinten), das auch das allgemeine Ordensbanner ist, sind die wichtigsten Banner der Hauptbanner des Deutschen Ordens. Das Marschallbanner mit dem schwarzen Kreuz auf weißem Grund bezeichnet den Oberbefehlshaber des Ordensheeres, das Hochmeisterbanner erkennt man am Hochmeisterwappen mit den goldenen Kreuz innerhalb des schwarzen Kreuzes auf weißen Grund.       

Dieses Banner hat eine interessante Entwicklung durchlaufen. Zunächst war es bis zur Zeit Friedrich Barbarossa die Fahne das allgemeine Kriegsbanner des Heiligen Reiches, die dann durch den Stauferadler auf gelben Grund ersetzt wurde. Fortan wurde es als St. Georgsbanner genutzt bis es im Spätmittelalter die dänische Staatsfahne wurde.     

Das Banner des Kölner Erzbischof Dietrich von Moers zur Zeit der Soester Fehde 1444 - 1449. Man erkennt das Wappen von Moers mit dem schwarzem Kreuz des Erzbistums Köln auf weißem Grund. Aufgrund der ehemaligen Zugehörigkeit zum Erzbistum Köln führen heute noch viele Städte das Schwarze Kreuz in ihrem Wappen.     

Hier wird eine Auswahl der spätmittelalterlichen Hauptbanner des Deutschen Ordens beim Sturm auf die mittelalterliche Stadt Zons getragen. Links ist das zeitlich passende St. Georgsbanner mit roten Kreuz auf weißem Grund zu sehen (ca. ab Mitte des 14. Jahrhunderts), in der Mitte das Hochmeisterbanner flankiert vom Marschallbanner.  

Hier sieht man eine hochmittelalterliche Kombination der Hauptbanner. Links die Hochmeisterfahne mit den französischen Königslilien, in der Mitte des Marschallbanners und an der rechten Seite das St. Georgsbanner, das ursprünglich nicht zu den Hauptbannern gehörte. Es war neben dem Marienbanner das oberste Feldzeichen des livländischen Ordenszweigs.    

Diese beiden Fahnen zeigen Banner, die noch zu Zeiten des Stauferherrschers Friedrich und Hochmeister Hermann von Salza beim 5. Kreuzzug verwendet wurden. Durch die Unterstützung des Hochmeisters bei der unblutigen Zurückgewinnung Jerusalems für die Christenheit 1229 wurde der Orden mit vielfältigen Privilegien ausgestattet, was seinen Aufstieg zu einem der mächtigsten Ritterorden Europas begünstigte.

Darstellung und Abmessungen der Fahnen nach der Banderia Prutenorum. Zu den Hauptfahnen des Ordens, die eine übergeordnete Bedeutung hatten, zählten das allgemeine Ordens- und Marschallbanner, die Hochmeisterfahne, das Marienbanner und das St. Georgsbanner. Unter ihnen stellten sich die Aufgebote der Komturneien und Gäste mit ihren Bannern auf. Als Banner wurde auch die unter einer Fahne versammelte Mannschaft bezeichnet. 
Die Maßangaben in der Banderia erfolgten auf Grundlage der polnischen Elle, diese konnte zwischen 470 und 688 mm umfassen. Bei der Zugrundelegung eines Ellenmaßes von ca. 500 mm erhält man Abmessungen, bei denen einige der Fahnen schon sehr groß ausfallen - immerhin wurden die Feldzeichen normalerweise von Reitern getragen.

Die Bannerwache ist eine private Interessengemeinschaft und gehört nicht dem offiziellen Deutschen Orden mit Sitz in Wien an. Wir sind aber bestrebt, die Geschichte des Deutschen Ordens im Mittelalter möglichst orginalgetreu nachzustellen -omnia sicut lusit (alles nur gespielt)- und einer breiten Öffentlichkeit vornehmlich auf mittelalterlichen Veranstaltungen näher zu bringen.